Beim ersten Hamburger Batterietag machte Prof. Maximilian Fichtner, Direktor des Helmholtz-Instituts Ulm und Professor am KIT, deutlich: Deutschland steht am Scheideweg der Energiewende – und Batterien sind der Schlüssel.
„Der Erntefaktor von fossilen Energieträgern sinkt dramatisch – wir müssen in andere Technologien investieren, sonst laufen wir ins energetische Aus“, warnte Fichtner. Fossile Energien verlieren an Effizienz, Wind- und Solarstrom unterliegen starken Schwankungen – Speicher sind unverzichtbar, sowohl für Haushalte als auch für Quartiere, Industrie und Städte.
Gesetzgeber müssen deshalb den raschen Ausbau von Speichertechnologien fördern, Standards für Qualität, Lebensdauer und Kreislaufwirtschaft definieren und bürokratische Hürden abbauen. Verzögerungen kosten Wettbewerbsfähigkeit und Klimaschutz.
„Die alte Welt stirbt, die neue kämpft ums Geborenwerden – wer im Verbrennerbereich verharrt, schrumpft.“
Prof. Maximilian Fichtner
Über den 1. Batterietag:
Auf Einladung des EnergieBauZentrums Hamburg sowie der Partner NAEXT, FRANK, SCADA-Automation und HOSENSO diskutierten führende Vertreterinnen und Vertreter aus Wissenschaft, Energiewirtschaft und Praxis in der Superbude Hamburg Altona die Rolle von Batteriespeichern als Schlüsseltechnologie der Energiewende. Tenor aller Beteiligten: „Die Technologie ist bereit. Die Geschäftsmodelle funktionieren. Jetzt braucht es Verlässlichkeit statt Verzögerung.“
Die Keynote:
Prof. Maximilian Fichtner, Direktor des Helmholtz-Instituts Ulm und Professor am KIT, macht deutlich: Deutschland steht am Scheideweg der Energiewende – und Batterien sind der Schlüssel. Der Erntefaktor von fossilen Energieträgern sinkt dramatisch – wir müssen in andere Technologien investieren, sonst laufen wir ins energetische Aus“, warnte Fichtner.
„Fossile Energien verlieren an Effizienz, Wind- und Solarstrom unterliegen starken Schwankungen – Speicher sind unverzichtbar, sowohl für Haushalte als auch für Quartiere, Industrie und Städte. Gesetzgeber müssen deshalb den raschen Ausbau von Speichertechnologien fördern, Standards für Qualität, Lebensdauer und Kreislaufwirtschaft definieren und bürokratische Hürden abbauen. Verzögerungen kosten Wettbewerbsfähigkeit und Klimaschutz.
Elektro statt Wasserstoff – pragmatische Mobilität
Die Lebenszyklusbetrachtung zeigt: Batterieelektrische Fahrzeuge sind effizienter, einfacher, wartungsärmer – und klimafreundlicher als Verbrenner. Wasserstofffahrzeuge hingegen seien aktuell eher Teil des Problems. „Die alte Welt stirbt, die neue kämpft ums Geborenwerden – wer im Verbrennerbereich verharrt, schrumpft.“ Förderung solle gezielt in Elektromobilität fließen, inklusive Ladeinfrastruktur, Recyclingstrategien und lokal produzierten Batteriespeichern. Subventionen für ineffiziente Technologien würden die Wende verschleppen.
Die Expertinnen und Experten waren sich am 1. Batterietag in Hamburg einig: Ein wachsender Anteil erneuerbarer Energien erfordert intelligente Netzintegration, Flexibilität und dezentrale Speicherlösungen – in Gebäuden, Quartieren, Gewerbe und Industrie. Made in Germany: Qualität statt billig
Prof. Fichtner warnte vor Billigimporten: Diese bergen Sicherheitsrisiken, kurze Lebensdauer und unsichere Lieferketten. Deutsche Speichertechnologie verbindet Entwicklungsdesign, Produktion und Qualitätssicherung und ermöglicht langlebige, recyclingfähige Lösungen. Second-Life-Batterien verlängern den Lebenszyklus und sparen CO₂. „Nicht alles, was billig ist, ist auch nachhaltig oder sicher – wir müssen auf Qualität und Lebensdauer achten.“ Förderprogramme und regulatorische Rahmen müssten deutsche und europäische Speichertechnologien priorisieren und gleichzeitig Kreislaufwirtschaft und Second-Life-Lösungen standardisieren.
Quartiere als dezentrale Energiesysteme
Praxisprojekte wie die Frankgruppe im Immenweg oder Speicherlösungen von NAEXT zeigen: PV, BHKW, Wärmepumpen, Ladeinfrastruktur und Batteriespeicher funktionieren zusammen – wenn Politik und Regulierung mitspielen. Intelligente Steuerung, digitale Zwillinge und Lastmanagement erhöhen Autarkie, senken Kosten und stabilisieren Netze. Gesetze müssten rechtliche Hürden für Mehrparteienhäuser und Quartierslösungen abbauen, standardisierte Mess- und Steuerkonzepte einführen und Investitionssicherheit garantieren. Nur so kann die dezentrale Energiewende flächendeckend umgesetzt werden.
Technologie ist reif – Märkte sind bereit
„Batteriespeicher sind keine Zukunftsvision mehr. Sie sind zentrale Infrastruktur für ein stabiles Energiesystem“, erklärte Fichtner. Nick Zippel, Geschäftsführer der HWP Handwerkspartner GmbH und Mitgründer von NAEXT, unterstreicht die praktische Umsetzung: „Der Hamburger Batterietag zeigt: Wir gestalten die Energiewende, statt nur zu diskutieren. Handwerk, Wirtschaft und Wissenschaft arbeiten gemeinsam an Lösungen – und setzen Tempo statt Stillstand. Heute haben wir gezeigt, wie eng die Zusammenarbeit bereits ist: starke Handwerker wie die HWP Handwerkspartner Gruppe sowie fossilfrei ausgerichtete Energieversorger wie FRANK Ecoenergy und naturstrom bilden eine enge Bande. Dieses Zusammenspiel ist entscheidend, um das Energiesystem konsequent regenerativ umzubauen – für eine resiliente Volkswirtschaft und mehr Unabhängigkeit von fossilen Engpässen wie bei Öl und Gas.“ Unternehmerische und technologische Expertise treffen so aufeinander, um die Energiewende greifbar und praktisch umsetzbar zu machen.
Auch aus Sicht der Energiewirtschaft ist die Botschaft eindeutig.
Dr. Sarah Debor, Geschäftsbereichsleiterin Geschäftsentwicklung bei der naturstrom AG, betonte die wachsende Bedeutung von Mittel- und Großspeichern als wirtschaftliches Instrument: „Speicher sind kein Kostentreiber, sondern ein Marktmechanismus. Sie entscheiden darüber, ob erneuerbare Geschäftsmodelle skalieren können.“
Praxis zeigt: Umsetzung ist möglich
Wie Batteriespeicher heute bereits Mehrwert schaffen, zeigten Praxisbeispiele aus Quartieren, Gebäuden und der industriellen Anwendung. Henning Behn, Gründer und Geschäftsführer von NAEXT, machte deutlich, dass Projekte weniger an Technik als an regulatorischer Unsicherheit gebremst werden. Eine weitere unternehmerische Perspektive brachte Henning Behn, Gründer und Geschäftsführer von NAEXT, ein: Sein Unternehmen entwickelt nachhaltige Batteriespeicher „Made in Germany“. „Wenn wir beim Speicherausbau Tempo verlieren, verlieren wir nicht nur Klimaziele, sondern auch industrielle Wertschöpfung.“ Im Panel diskutierten neben Fichtner, Debor und Behn auch Dr. Enno Wolf, ehemaliger COO von LichtBlick SE, sowie Nick Zippel, Geschäftsführer der HWP und Mitgründer von NAEXT.“
„Aufbruch in eine dezentrale, fossilfreie Energiezukunft!“
Nick Zippel, Geschäftsführer der HWP Handwerkspartner GmbH und Mitgründer der NAEXT GmbH, eröffnete den ersten Hamburger Batterietag mit einem klaren Plädoyer für dezentrale, regenerative Energiesysteme. Zippels Rede verband Pragmatismus, technologische Vision und gesellschaftliche Verantwortung, wobei er sowohl auf den aktuellen Stand der Energieversorgung als auch auf die Chancen der Batterietechnologie einging.
Energiewende: Wo Deutschland wirklich steht
Zippel betonte die historische und aktuelle Bedeutung der Energiewende in Deutschland: Die regenerativen Energien hätten bereits 2025 rund 55,9 % der Stromproduktion erreicht, inklusive dezentral erzeugter Energie in Quartieren und Unternehmen sogar 62 %. Damit sei Deutschland deutlich weiter als von Politik und Industrie oft angenommen. Dennoch müsse der Ausbau der Batterien und Speichersysteme schneller erfolgen, um Versorgungssicherheit, dezentrale Wertschöpfung und resiliente Netze zu gewährleisten. „Wir stehen auf einem Sprung in ein fossilfreies Zeitalter. Viele Bürger, Unternehmen und Energieversorger sind schon viel weiter als die Politik denkt.“
Batterien: Mehr als nur Speicher
„Batterien sind viel mehr als ein Speicher – sie sind Vertrauensanker, zukünftiger Wirtschaftsmotor und Basis für dezentrale Resilienz.“ Zippel unterstrich die Rolle der Partnerschaft zwischen Erzeugern, Umsetzern und Energieversorgern, um die Energiewende voranzubringen. Beispiele seien die Zusammenarbeit mit Frank Eko Energy, naturstrom, Green Plan Energy und regionalen Playern in Hamburg und Berlin. Besonders hervorgehoben wurde die Bedeutung dezentraler Lösungen, die nicht nur Energie speichern, sondern diese intelligent steuern und netzdienlich einsetzen.
Politik muss liefern, nicht bremsen
Er warnte zugleich vor politischen Verzögerungen, die den Fortschritt der Energiewende gefährden könnten, und erinnerte an frühere Fehler wie den massiven Arbeitsplatzverlust in der Photovoltaik zwischen 2011 und 2013. Er forderte Kontinuität und klare Planbarkeit von Politik und Wirtschaft: "Wir müssen wissen, was in den nächsten fünf Jahren passiert. Kein Rumgeeier mehr – wir brauchen Mut zur Umsetzung statt Verzögerung."
Dezentrale Energieversorgung: Chance für alle
Zippel sah den Batterieausbau als Schlüssel für eine dezentrale, resiliente Energieversorgung: Er ermögliche lokale Wertschöpfung, erhöhe Autarkie von Gebäuden und Quartieren und senke langfristig Energiepreise für Bürgerinnen und Unternehmen. Zudem betonte er die gesellschaftliche Verantwortung: Energieprojekte müssten nachhaltig, sozial gerecht und zukunftsorientiert gestaltet werden, um die Lebensqualität der kommenden Generationen zu sichern. „Es soll der Tag der Partnerschaft sein – zwischen Produzenten, Umsetzern, Energieversorgern und Bürgern. Entscheiden Sie sich heute für Batteriesysteme, für die Zukunft Ihres Areals, für die Mitwelt.“
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