Henning Behn, Co-Gründer und Co-Geschäftsführer der NAEXT GmbH
Henning Behn, Mitgründer und Geschäftsführer der NAEXT GmbH, stellte auf dem Hamburger Batterietag 2026 seine Sicht auf nachhaltige Batteriespeicherlösungen aus Deutschland vor. Sein Vortrag beleuchtete sowohl die begriffsbedingten Grundlagen als auch die praktische Umsetzung, regulatorische Rahmenbedingungen, Rohstofffragen und konkrete Anwendungen für Privathaushalte, Gewerbe und Quartiere.
Henning Behn machte deutlich, dass Batteriespeicher mehr sind als Speicher. Sie sind dezentrale Kraftwerke, Sicherheitsanker und Treiber einer nachhaltigen Energieversorgung.
Nachhaltigkeit: Mehr als Ökologie
Zu Beginn definierte Henning Behn den Begriff Nachhaltigkeit und stellte klar, dass er nicht ausschließlich umweltbezogen sei: „Nachhaltigkeit bedeutet in erster Linie längere Zeit anhaltende Wirkung. Wenn man einen Kanister Öl irgendwo in den Wald kippt, dann ist der Wald nachhaltig geschädigt – aber nicht besonders umweltfreundlich.“ Er betonte die Differenzierung zwischen ökonomischer, ökologischer und sozialer Nachhaltigkeit. Ökologische Nachhaltigkeit bedeute, nicht mehr Ressourcen zu entnehmen, als die Natur regenerieren könne. Ökonomische Nachhaltigkeit beziehe sich auf dauerhaft tragfähige Geschäftsmodelle und Produkte. Für seine Batteriespeicherlösungen verwendet NAEXT beide Perspektiven.
Made in Germany: Qualität, Sicherheit und Vertrauen
Der Begriff Made in Germany ist für Henning Behn mehr als ein Marketinglabel. Er unterstreicht die Anforderungen an Entwicklung, Design, Produktion und Qualitätssicherung, die vollständig in Deutschland erfolgen müssen: „Made in Germany ist nicht nur ein Sticker. Es verlangt, dass die wichtigsten Bestandteile der Herstellung – Entwicklung, Design, Produktion, Qualitätssicherung – ausschließlich in Deutschland stattfinden.“ Behn kritisierte, dass viele Produkte lediglich neu verpackt würden und trotzdem als „Made in Germany“ verkauft würden. Die NAEXT-Produkte hingegen werden tatsächlich vollständig in Deutschland entwickelt und produziert, um höchste Qualitäts- und Sicherheitsstandards zu gewährleisten.
Batteriespeicher als Kraftwerke
Traditionell galten Batteriespeicher als Heimspeicher, die Solarstrom zwischenspeichern. NAEXT entwickelt heute Systeme, die als dezentrale Kraftwerke agieren können. „Batteriespeicher sind nicht mehr das, was sie früher mal waren – sie sind tatsächlich Kraftwerke.“ Diese Großspeicher tragen zur Versorgungssicherheit, Netzstabilität und Blackout-Prävention bei und werden zunehmend auch in Quartieren oder bei Energieparks eingesetzt.
Lokale Produktion vs. globale Beschaffung
Henning Behn beleuchtete die Vorteile von lokal produzierten Speichern gegenüber Importen, insbesondere aus China:
- Preis: Chinesische Speicher günstig, aber Exportrabattsätze sinken und Preise steigen.
- Nachhaltigkeit und Verfügbarkeit: Lokale Produktion besser planbar.
- Sicherheit: Eigenentwickelte Hardware und BMS (Batteriemanagementsysteme) erhöhen die Kontrolle.
- Service: Direkter Kundensupport aus Deutschland gewährleistet schnelle und zuverlässige Lösungen.
Rohstoffe und Kreislaufwirtschaft
Ein zentrales Thema ist der Umgang mit Rohstoffen wie Lithium. Behn wies auf die ökologischen, wirtschaftlichen und politischen Herausforderungen hin:
- Umweltbelastung beim Abbau und der Verarbeitung.
- Rohstoffpreis- und Lieferabhängigkeit.
- Sicherheit: Eigenentwickelte Hardware und BMS (Batteriemanagementsysteme) erhöhen die Kontrolle.
- Geopolitische Risiken und Preisschwankungen.
NAEXT verfolgt einen Kreislaufwirtschaftsansatz: „Indem wir diese Batterien verwenden, verlängern wir ihren Lebenszyklus und schaffen eine echte Kreislaufwirtschaft.“ Second-Life-Batterien aus Elektrofahrzeugen werden für stationäre Speicher genutzt, was CO₂-Emissionen reduziert und Ressourcen schont.
NAEXT Batteriespeichersysteme
NAEXT produziert in Seevetal bei Hamburg:
- Hexagon-Serie: 50–360 kWh, 11–22 kW Ladeleistung, integrierte E-Fahrzeugladung.
- Quadragon-Serie: Clusterlösungen bis 8 MWh, Plug-and-Play, Outdoor-tauglich, geeignet für Quartiere.
„Unsere Systeme haben eine lange Lebensdauer, hohe Recyclinganteile und optional Second-Life-Batterien, die CO₂-Äquivalenz von 55–100 t pro MWh sparen.“ Die Module verfügen über eigene Batteriemanagementsysteme, EU-kompatible Komponenten und maximale Sicherheit durch enge Zusammenarbeit mit Partnern wie Siemens und Skala.
Anwendungsfälle
Behn erläuterte vier zentrale Einsatzfelder:
- Eigenverbrauchsoptimierung: Solar- oder PV-Anlagen, Stromverbrauch wird optimal auf eigene Erzeugung abgestimmt.
- Lastspitzenkappung: Besonders für Gewerbe und Industrie, zur Reduzierung von Spitzenlasten und Kosten.
- Energy Trading: Einspeisung von Strom bei Marktspitzen, Nutzung von Graustrom- oder Grünstromstrategien.
- Blackout-Schutz / Inselfähigkeit: Autarke Stromversorgung bei Netzausfällen für Quartiere oder kritische Infrastruktur.
Konkrete Beispiele zeigten, dass mit Quartierslösungen und PV-Anlagen 16 Häuser zentral versorgt werden können, inklusive Ladeinfrastruktur für Sharing-Fahrzeuge. Auch PV- und Windparks profitieren durch Speicherung, die den Netzbezug deutlich reduziert und Kosten einsparen kann. „Eigenverbrauchsoptimierung funktioniert am besten, wenn viel eigene Erzeugung vorhanden ist, die günstiger ist als Netzstrom.“ „Insel- oder Blackout-Schutz wird immer wichtiger, auch für Privathaushalte und Kommunen.“
Fazit:
Henning Behn machte deutlich, dass Batteriespeicher mehr sind als Speicher, sie sind dezentrale Kraftwerke, Sicherheitsanker und Treiber einer nachhaltigen Energieversorgung. Dabei spielen Made-in-Germany-Qualität, lokale Produktion, Kreislaufwirtschaft und Sicherheit eine zentrale Rolle. NAEXT bietet ein ganzheitliches Konzept aus Entwicklung, Produktion, Service und Second-Life-Nutzung, das ökologisch, ökonomisch und gesellschaftlich nachhaltig ist. „Wir bei NAEXT wollen impactgetriebene Lösungen bauen, die nachhaltig, sicher und zukunftsfähig sind – ökologisch, ökonomisch und sozial.“
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