Benedikt Leidorf, Head of Energy & Real Estate Solutions bei FRANK und Geschäftsführer der FRANK Ecoenergy GmbH
FRANK zeigt am Quartier Immenweg, wie dezentrale Energiesysteme im urbanen Bestand wirtschaftlich sinnvoll umgesetzt werden können. Unter der Leitung von Benedikt Leidorf wurde ein integriertes Energiesystem realisiert, das lokale Stromerzeugung, Speicherung, Lastmanagement und Ladeinfrastruktur gezielt miteinander verknüpft.
Ziel ist es, den Eigenverbrauch lokal erzeugter Energie zu maximieren, Lastspitzen zu reduzieren und den Netzbezug zu minimieren. Batteriespeicher übernehmen dabei eine zentrale Rolle als Flexibilitäts- und Optimierungsinstrument.
„Je höher der Anteil des lokal genutzten Stroms ist, desto wirtschaftlicher wird das System. Der Speicher erhöht die Flexibilität und verbessert die Wirtschaftlichkeit.“
Benedikt Leidorf
Quartiersversorgung neu gedacht
Das Quartier Immenweg umfasst drei Wohngebäude aus den 1960er Jahren mit insgesamt 48 Wohneinheiten und rund 3.500 m² Wohnfläche. Im Zuge einer umfassenden energetischen Sanierung wurden die Gebäude auf den Standard KfW-Effizienzhaus 55 gebracht und in ein integriertes Energiesystem eingebunden.
Die Energieversorgung kombiniert:
- Photovoltaik zur lokalen Stromerzeugung,
- Blockheizkraftwerke zur gekoppelten Strom- und Wärmeerzeugung,
- quartiersinternes Energiemanagementsystem und
- Batteriespeicher zur Lastverschiebung und Eigenverbrauchsoptimierung.
Der erzeugte Strom wird vorrangig innerhalb des Quartiers genutzt. Überschüsse werden gespeichert oder ins Netz eingespeist, während bei Bedarf Strom aus dem Netz bezogen wird. Besondere Bedeutung kommt dem Batteriespeicher zu: Zwei Speichereinheiten mit 100 kW bzw. 72 kW Leistung ermöglichen die gezielte Verschiebung von Lasten und unterstützen die Integration der Ladeinfrastruktur.
Wirtschaftliche Aspekte
Die wirtschaftliche Bedeutung von Batteriespeicher liegt primär in der Erhöhung des Eigenverbrauchs und der Reduktion von Lastspitzen. Durch die Zwischenspeicherung lokal erzeugter Energie kann Strom gezielt in Zeitfenstern mit hohem Bedarf genutzt werden. Dies reduziert den Bezug von Netzstrom und stabilisiert das Lastprofil des Quartiers. Dynamische Stromtarife bieten zusätzliches Optimierungspotenzial, stehen jedoch aktuell nicht im Zentrum der Wirtschaftlichkeit. Leidorf stellt klar: „Der Speicher ist in erster Linie ein Eigenverbrauchsoptimierer. Die Wirtschaftlichkeit entsteht durch die Reduktion des Netzbezugs, nicht durch aktiven Stromhandel.“ Mit zunehmender Größe und Vernetzung von Quartieren steigt das wirtschaftliche Potenzial deutlich. „Skalierung ist ein zentraler Faktor. Je größer das System und je mehr Verbraucher integriert sind, desto effizienter kann der Speicher eingesetzt werden.“
Technische Umsetzung
Ein besonderer Mehrwert liegt in der Integration der Systeme. Das Projekt Immenweg zeigt, wie sich Photovoltaik, Blockheizkraftwerke, Speicher und Ladeinfrastruktur zu einem integrierten Energiesystem verbinden lassen. Die Batteriespeicher übernehmen dabei mehrere Funktionen:
- Aufnahme von Stromüberschüssen aus lokaler Erzeugung,
- Bereitstellung von Energie bei erhöhtem Bedarf,
- Reduktion von Lastspitzen und
- Unterstützung der Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge.
Über das Ladeprodukt „mein Ladepunkt@Frank“ können Bewohner ihre Elektrofahrzeuge direkt aus dem Quartierssystem laden. Leidorf fasst zusammen: „Speicher schaffen Flexibilität im System. Sie ermöglichen es, lokal erzeugte Energie effizienter zu nutzen und Lastprofile gezielt zu steuern.“
Strategische Learnings
Das Projekt liefert zentrale Erkenntnisse für die Entwicklung zukünftiger Quartiersenergiesysteme:
- Batteriespeicher erhöhen Eigenverbrauch und Wirtschaftlichkeit
- Lastmanagement reduziert Netzbezug und stabilisiert das System
- Integration von Ladeinfrastruktur erhöht den lokalen Stromverbrauch
- Größere und vernetzte Systeme verbessern die Wirtschaftlichkeit
- Speicher sind ein zentrales Element zukünftiger Quartiersversorgung
Fazit
Das Quartiersprojekt Immenweg zeigt, dass Batteriespeicher einen messbaren wirtschaftlichen Beitrag in dezentralen Energiesystemen leisten können. Durch die Integration von Erzeugung, Speicherung und Verbrauch wird der Eigenverbrauch erhöht, der Netzbezug reduziert und die Systemstabilität verbessert. Benedikt Leidorf resümiert: „Batteriespeicher sind ein wesentlicher Baustein wirtschaftlicher Quartiersenergiesysteme. Sie erhöhen die Nutzung lokal erzeugter Energie und verbessern die Effizienz des Gesamtsystems.“ Projekte wie das Quartier Immenweg liefern damit konkrete und skalierbare Ansätze für die wirtschaftliche Umsetzung dezentraler Energieversorgung im urbanen Raum.
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